Dieses Blog ist umgezogen und findet sich nun unter folgender Adresse:
Archive for the ‘Lektorat Text & Sinn’ Category
Umzug des Blogs
Samstag, August 11th, 2012Don’t be a maybe don’t smoke!
Samstag, Juli 7th, 2012Maybe never wrote a song
Maybe never learned to fly
Maybe will never be her own boss
Maybe goes nowhere
Maybe never found a way
Maybe never feels free
Maybe never fell in love
Zielgruppe dieser Werbekampagne sind junge Erwachsene, die täglich neu vor der Entscheidung stehen, ob sie anfangen sollen zu rauchen oder nicht: vielleicht vielleicht auch nicht. Marlboro sagt: du sollst und kommt damit wahrscheinlich besonders gut bei denen an, die im Elternhaus meistens du sollst nicht, du darfst nicht etc. hören.
Die neue (zugegeben nicht mehr ganz so neue) Marlboro-Werbung stößt auch im Netz auf heftige Kritik, wobei viele der Meinung sind, die Werbung an sich sei genial, nur das Produkt passe nicht. Es gibt viel Adbusting und phantasievolle Antiwerbung.
Manche schreiben, sie verstünden die Werbung nicht. Wenn man die sprachliche Konstruktion aufschlüsselt, wird klar, warum.
Zunächst wird gesagt, dass zögerliche, unentschlossene Menschen, denen es schwer fällt, sich zu entscheiden, es im Leben zu nichts bringen und zwar weder in puncto Karriere, noch in puncto Liebe, noch in puncto Selbstbewusstsein. Das wird in einen elliptischen Satz gekleidet, in dem mehrere Satzteile ausgelassen sind: Maybe steht für Someone who always says ‚maybe’ (Jemand, der immer nur ‚vielleicht‘ sagt). Inhaltlich ist das natürlich Unsinn. Zu vielen Entscheidungen wird man gezwungen, und wer heute vielleicht sagt, kann morgen ja oder nein sagen, und es wird auch niemand ernsthaft behaupten, dass zögerliche Menschen sich nicht verlieben oder vollkommen ziellos durchs Leben gehen. Aber die Botschaft kommt an, und sie lautet: Maybes sind eigentlich Nobodys.
In einem zweiten Schritt wird nun die Lösung all dieser Probleme versprochen: Be Marlboro ist der Gegenentwurf zum gerade beschriebenen Versager, wobei Be Marlboro wieder so eine elliptische Konstruktion ist: Sei einer von denen, die Marlboro rauchen. Im Rückschluss soll das bedeuten, dass, wer keine Marlboro raucht, ein Maybe im obigen Sinne, also ein Versager ist.
Dass diese Gegenüberstellung hinkt, ist auch der Tatsache geschuldet, dass maybe nicht das Gegenteil von be ist. Das kann es schon sprachlich nicht sein, denn be ist ein Verb, während maybe ein Adverb ist. Die erste elliptische Konstruktion muss in der Auflösung also noch länger und auch ein Imperativ sein: Don’t hesitate, because when you always say ‚maybe‘ you will never be your own boss (oder elliptisch: Dont‘ be a ‚maybe‘ who never will be his own boss).
Genau hier liegt die Chance dieser Werbung: Wer nicht vielleicht sagt, sagt nämlich nicht notwendigerweise ja er kann auch nein sagen. Wer im Leben immer nur ja sagt, wer immer mit dem Strom schwimmt und sich immer einer Gemeinschaft unterordnet (Be Marlboro soll ja auch bedeuten: Sei einer von uns, sei kein Außenseiter), wird zum Mitläufer und kann ebenso scheitern wie derjenige, der sich zu nichts entscheiden kann.
Konsequent zu Ende gedacht, lautet die eigentliche Botschaft dieser Werbung:
Sei nicht so unentschlossen entscheide dich!
Lass dich nicht gegen deinen Willen verführen!
Sei kein Mitläufer sag laut und deutlich nein, wenn du nicht willst.
L’ORÉAL: Color Riche Lippenstift
Donnerstag, Juli 5th, 2012Wenn ich Texte sehe, lese ich sie. Und auch, wenn ich still für mich lese, höre ich die Texte irgendwie im Kopf. Mein Kopf liest in der Regel einsprachig, und wenn ich das Wort „Rose“ in einem deutschen Text lese, hört es sich anders an, als wenn ich in einem französischen oder englischen Text „rose“ lese.
Nun hingen während der Berlinale am Potsdamer Platz riesige Plakate von L’Oréal mit folgendem Text:
L’ORÉAL PARIS
COLOR RICHE / N° 1
SO INTENSIV
SO REICHHALTIG
SO COLOR RICHE
Bei dieser Werbung gerät mein Kopf durcheinander. Wie, um Himmels willen, spreche ich das aus? „COLOR“ ist amerikanisch (und hört sich dann so an) oder spanisch oder okzitanisch, und dann klingt es ganz anders (siehe Beispiele unter der Erdkarte; man muss die Pfeile anklicken), „RICHE“ wiederum ist eindeutig französisch. Hat der Werbetexter an eine multilinguale Mischung gedacht womöglich weil die „Botschafterinnen der Schönheit von L’Oréal Paris aus allen Teilen der Welt“ kommen?
Oder soll man „RICHE“ wie (englisch/amerikanisch) „rich“ aussprechen? Wäre das angehängte „e“ am Ende gar eine kleine Rebellion der französischen Firma gegen die Dominanz des Englischen?
Sprachlich passt es jedenfalls bei allem guten Willen nicht zusammen! Besonders im letzten Satz nicht, wo man gar nicht weiß, wie man das „SO“ aussprechen soll. Vom Problem der Formung der beiden aufeinandertreffenden „r“-Laute will ich gar nicht erst reden; da käme man in Teufels Küche, je nachdem, für welche Sprachen man sich entscheiden würde …
Wenn ich je in die Verlegenheit geraten sollte, diesen Lippenstift in einer Parfümerie zu kaufen, werde ich so tun, als sei ich stumm. Ich werde der Verkäuferin einen Zettel hinhalten, auf dem der Name geschrieben steht. Vielleicht wird sie mich ja freundlich angucken und zustimmend nicken: „Ja, Kollerisch haben wir.“ Dann werde ich freundlich zurücknicken und dabei denken: Nein, kollerisch sind wir.“
SAP Project Inspiration
Freitag, Juni 29th, 2012Auf der Startseite von SAP Germany ist derzeit zu lesen:
„Wir feiern 40 Jahre SAP.
Entdecken Sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der SAP im Project Inspiration.
Stolper, stolper Gibt es ein Projekt namens Inspiration und hat man versehentlich c statt k geschrieben und auch versehentlich die Anführungszeichen beim Projektnamen vergessen? Anders kann der Satz nicht verstanden werden im bezieht sich eindeutig auf Project. Aber gleich zwei Fehler? Oder soll es in der Projekt-Inspiration heißen? Und wie spricht man Inspiration aus? Deutsch oder englisch?
Wenn man dem Link folgt, geht es so weiter:
„Herzlich willkommen zum Project Inspiration.
SAP feiert 40 Jahre Zukunft.
Entdecken Sie auf diesen Seiten faszinierende Fakten sowie Videos aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Treten Sie ein in unsere Online-Ausstellung das Abbild unseres interaktiven Project Inspiration Pavillon in unserem Hauptsitz in Walldorf.
Seien Sie ein Teil der Inspiration.
Mhm. Ein Teil der Inspiration … Aber dieselben Fehler wie oben … Herzlich willkommen zum Projekt ‚Inspiration’, müsste es heißen, oder Herzlich willkommen bei der Projekt-Inspiration. Und der Satz mit der Ausstellung ist auch nicht klar, weil grammatisch falsch. Wo ist der Genitiv? Ist gemeint, dass die Online-Ausstellung das Abbild unseres (real im Pavillon existierenden) interaktiven Projekts ‚Inspiration‘ ist? Oder ist sie das virtuelle Abbild des real existierenden Pavillons, in dem das Projekt ‚Inspiration‘ gezeigt wird? Oder das Abbild des Pavillons, in dem eine Ausstellung gezeigt wird, die Projekt-Inspiration zum Thema hat?
Fragen über Fragen.
Antworten findet man wie erwartet auf der englischsprachigen Seite:
„Welcome to Project Inspiration.
Celebrate 40 years of the future.
Enter a fascinating world of images and impressions from the past, present, and future. Enter our exhibit online a virtual reproduction of our interactive Project Inspiration Pavilion at SAP headquarters in Walldorf.
Be part of the inspiration today.“
und im SAP Newsroom:
Unter dem Motto ‚Project Inspiration Celebrate 40 Years of the Future‘ eröffnete SAP heute eine interaktive Ausstellung in Walldorf. Auf dem SAP-Campus im Innenhof des Gebäudes 1 können alle Interessierten eine spannende Zeitreise in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der SAP machen.“
Hatte SAP kein Geld für eine ordentliche deutsche Übersetzung bzw. für ein Lektorat? Oder ist der Firma und den Kunden der Sprachmüll egal?
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …
Montag, Juni 25th, 2012Dieses ärmellose Hemdchen („Made in Turkey“) erschien anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika erstmals im Handel ein echter Hingucker … ich meine: Ladenhüter. Wenn die Buchstaben wenigstens aufgedruckt wären! Aber nein, sie sind aufgenäht, einzeln, nacheinander, in mühevoller Handarbeit. Vielleicht von Kindern …
Schon damals war die Türkei nicht qualifiziert. Honi soit qui mal y pense…
NB: „Mich deucht“ ist übrigens das Präteritum von „mich dünkt“. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann hier im Duden weiterlesen.
Auf der Oder schwimmt nie ein Graf …
Mittwoch, Juni 20th, 2012habe ich im Französischunterricht gelernt, um où (mit Accent grave, wo) von ou (ohne Accent grave, oder) zu unterscheiden.
Hier ist durch Wegfall eines Accent aigu aus einem aromatisch-kräftigen Käse ein Graf geworden allerdings keiner aus den Bergen, sondern einer zum Zusammenbauen, weil überdies noch ein n auf der Strecke geblieben ist. Dabei hätte man nur abschreiben müssen
Bach-Chor: Kantate BWV 39
Donnerstag, Juni 7th, 2012Allen Berliner Bach-Liebhaberinnen und -Liebhabern unter der Lesenden hatte ich an dieser Stelle den Bach-Kantate-Gottesdienst vom 9. Juni 2012 ans Herz gelegt. Ein aufmerksamer und äußerst kritischer Freund hat mir jetzt gesagt, dass das ein handwerklicher Fehler sei, weil mein Singen im Bach-Chor an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche mit meiner Tätigkeit als Lektorin und Bloggerin über Sprache wirklich nichts zu tun habe. Schade! Aber er hat, wie immer, recht, und deshalb habe ich den Beitrag gelöscht. Wer mehr über den Berliner Bach-Chor erfahren möchte, weiß ja jetzt, wo er nachschauen kann …
Deklination des Possessivpronomens
Montag, Juni 4th, 2012Im Englischen ist alles ok, aber beim deutschen Titel hat jemand vergessen, den Dativ zu retten. Glücklicherweise ist der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund so gering, dass es wohl den wenigsten aufgefallen ist.
Im Netz stand es übrigens korrekt.
Momente, in denen man sich intelligent werden fühlt
Montag, Juni 4th, 2012Wir freuen uns auf die EM!
Sonntag, Juni 3rd, 2012Manch eine Tante freut sich vielleicht zu früh …
Wenn dieser Fauxpas nicht wäre, könnte ich den Berliner Fußballfans einen Besuch der Tante Käthe uneingeschränkt empfehlen.